Fever

About

Die Covid/19 Pandemie konfrontiert ArbeiterInnen rund um die Welt mit einem gemeinsamen Problem. Die aktuelle Situation wird praktisch als Laboratorium für das Kapital und die Regierungen funktionieren, um die Ausbeutung und soziale Kontrolle umzustrukturieren. Viele Elemente des Ausnahmezustands werden auch nach der Pandemie in Kraft bleiben. Diese Aussetzung der Normalität wird die Konflikte um Arbeit und in der Reproduktion verschärfen. Nachrichten über proletarische Kämpfe erreichen uns aus allen Ecken der Welt: Proteste gegen schlechte hygienische Verhältnisse auf der Arbeit, Verweigerung der Arbeit durch wilde Streiks, Gefängnisrevolten, die Organisierung von Mietstreiks usw..

Unsere Rolle ist nicht, Lösungen für den Kapitalismus vorzuschlagen, diese Krise zu meistern. Alle kapitalistischen Lösungen laufen auf die Aufrechterhaltung der Ausbeutung hinaus.

Unsere Bemühungen müssen sich auf die Konflikte rund um die Ausbeutung konzentrieren: unter welchen Bedingungen werden wir gezwungen weiter zu arbeiten? Werde unsere Löhne auch in der Selbstisolation zu Hause weitergezahlt? Werden wir die ausgefallenen Arbeitsstunden nacharbeiten müssen? Wird es Entlassungen geben? Und was passiert mit den selbständigen, prekären oder App-ArbeiterInnen?Wie sollen wir am Ende des Monats unsere Miete zahlen? Was passiert mit den Gefangenen in den Knästen? Und was mit den MigrantInnen, die zwischen immer militärischer abgesicherten Grenzen, Abschiebeknästen und Sammellagern eingezwängt werden?

Da Covid-19 ein globales Phänomen ist scheint es angebracht, eine internationale Plattform zur Untersuchung und zum Austausch zu schaffen. Eine Plattform, die es uns ermöglicht, die Erfahrungen von proletarischen Kämpfen zu kartographieren, untersuchen, diskutieren, in Kontakt zu bringen und stimulieren.

Unser Ziel ist ein kollektiven Austausch zwischen unabhängigen Gruppen von ArbeiterInnen aus unterschiedlichen Ländern. Unsere Kriterien für die Veröffentlichung von Texten auf “Fever” basieren auf diesem Minimalkonsens:

1) “Fever” konzentriert sich auf den Klassenkampf. Wir stehen auf der Seite der ArbeiterInnenklasse, die gegen die Spaltungen in Hand- und KopfarbeiterInnen oder ArbeiterInnen des privaten oder öffentlichen Sektors kämpft. Gegen den Staat, der einige von uns als Illegale und andere als rechtmässig Ansässige, aber Arbeitslose ohne soziale Unterstützung unterdrückt. Wir kämpfen gegen die Spaltungen, die uns nur als Angehörige unterschiedlicher Nationalitäten oder aller anderer Formen von Identität sehen. Andererseits wollen wir nicht ArbeiterInnen bleiben und denken, dass wir nur durch die Beteiligung im gemeinsamen Kampf die Welt der Waren und Lohnarbeit überwinden können. Gleichzeitig ist es wichtig, die Bewegungen unserer Feinde – des Staats und Kapitals – zu analysieren, sobald die Pandemie sie zwingt den Produktionsprozess umzustrukturieren. In dieser Krise wie im allgemeinen organisiert der Staat die Verteidigung des Kapitals und Privateigentums gegen die Interessen der ArbeiterInnenklasse. Um unsere Kämpfe zu gewinnen müssen wir den Staat zerstören und dies müssen wir als praktische Frage diskutieren. Wir sind mit Mechanismen der präventiven Aufstandsbekämpfung konfrontiert und diese Web-Seite wird auch ein Ort sein, um strategische Fragen der Bewegung zu diskutieren.

2) “Fever” ist nicht an abstrakten Programmen oder Forderungskatalogen interessiert, die losgelöst von konkreten Kampfprozessen bleiben.

3) “Fever” vermeidet Konspirationstheorien oder Verleugnungen des Problems. Wir sind tatsächlich mit einer Pandemie konfrontiert, tausende menschen sterben rund um den Globus. Dies zu verleugnen ist verrückt. Andererseits ist das Abfeiern der ökologischen oder `revolutionären´ Auswirkungen des Covid-19-Massakers nicht nur dumm, zumindest aus proletarischer Sicht, sondern auch ein Zeichen morbiden Elitedenkens.

Wir erwarten nicht, dass die Web-Seite nur mit einer Stimme spricht. Kontroversen und unterschiedliche Positionen sind wichtig für den Klärungsprozess: wir wollen öffentliche Diskussionen innerhalb der allgemeinen und grundlegenden Prinzipien ermutigen.

Ein weiteres Ziel ist die Herstellung neuer Verbindungen zwischen proletarischen GenossInnen weltweit. Falls Du einen Text für die Veröffentlichung auf “Fever” hast oder mitmachen willst, schreibe uns!