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Padrone di Merda – Organisierte Arbeiter*innen unter Beschuss in Bologna, Italien!

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Von Il Padrone di Merda. Wir teilen diese Nachrichten aus Italien und lassen euch sobald wie möglich mehr wissen.

Was ist passiert? Gestern im Morgengrauen wurden in Bologna, Italien, einige Arbeiter*innen und Prekäre, die sich weigerten, sich von ihren Scheißbossen ausbeuten und betrügen zu lassen, von Polizeibeamt*innen geweckt, die sie über folgende vorbeugende Maßnahmen gegen sie informierten: Fünf von ihnen wurden angewiesen, Bologna zu verlassen, und einer Person wurde verboten, sich ihrem Ex-Arbeitsplatz und ihren Ex-Chefs zu nähern. Weitere 13 Arbeiter*innen wurden angeklagt.

Es war schon bekannt, dass der Schutz prekärer junger Leute nie Priorität war. Die Polizei tauchte ohne Handschuhe und Masken und unter Missachtung der Abstandsregeln auf und gefährdete unsere Gesundheit. Als sich eine betroffene Person beschwerte, reagierte der Polizeibeamte zur Belustigung seines Kollegen so: „Machen Sie sich keine Sorgen, mit dieser Anordnung werden Sie sehr weit weg landen!“ Sie widersetzen sich denselben Gesundheitsvorschriften, die sie während der Ausgangsbeschränkungen mit Geldstrafen und Anklagen durchgesetzt haben.

Wie lautet die Anordnung? Es handelt sich um eine vorsorgliche Maßnahme (d.h. sie wird nach Ermessen eines Richters erlassen und ist ohne Gerichtsverfahren, d.h. ohne jeglichen Beweis der „Schuld“, sofort vollstreckbar), die diejenigen, die sie erhalten haben, verpflichtet, die Stadt Bologna sofort zu verlassen und auf unbestimmte Zeit nicht zurückzukehren. Es spielt keine Rolle, dass sie Freund*innen, Partner*innen und in einigen Fällen Familien in der Stadt haben. Es spielt keine Rolle, dass es das prekäre Einkommen dieser Arbeiter*innen weiter einschränkt. Es spielt keine Rolle, dass wir uns mitten in einer Pandemie befinden, die die Mobilität aus Gründen der öffentlichen Gesundheit einschränkt. Sie kümmern sich eindeutig nicht um die Verbreitung des Virus und die Möglichkeit einer Ansteckung.

Von einer Stunde auf die andere müssen dieselben Arbeiter*innen, die vorher nicht nach draußen durften, ihre Häuser verlassen und für wer weiß wie lange wer weiß wohin gehen. Sollen sie zu Freund*innen oder Verwandten gehen und dabei ihre Gesundheit und die der anderen gefährden? Sollen sie eine Unterkunft außerhalb von Bologna mieten, wenn es schon schwierig ist, die Miete für ihre Wohnung in der Stadt zu bezahlen? Dieselben Leute, die behaupten, sie wollen unsere Gesundheit schützen, zeigen uns jetzt, dass sie sich nie wirklich darum gekümmert haben. Die einzige Gesundheit, die sie interessiert, ist die Gesundheit der Profite der Scheißbosse.

Wen treffen diese Maßnahmen? Einen Arbeiter in einer Sozialgenossenschaft in Bologna, die während der gesamten Dauer der Abriegelung gezwungen war, für niedrige Löhne und ohne angemessenen Schutz weiter zu arbeiten; einen Arbeiter in einer Bar, der heute seine Schichten wieder aufnehmen sollte; einen Teilhaber in einem Kleinunternehmen, die sich geweigert hatte, die Krise auf die Arbeiter*innen abzuwälzen und aus diesem Grund keinen einzigen Euro vom Staat oder der lokalen Regierung erhalten hat; einen Studenten, der, um sein Studium zu bezahlen, undokumentiert arbeiten musste; einen Kurier, die während der Abriegelung gezwungen war weiterzuarbeiten um über die Runden zu kommen. Darüber hinaus wurde einer ehemaligen Angestellten des Nails-Cafés, das im Mittelpunkt des gerichtlichen Falles steht, verboten, sich dem Ex-Arbeitsplatz oder den Ex-Chefs zu nähern. Diese Scheiß-Chefs haben tausende Euro an Lohn nicht ausbezahlt. Die Botschaft an die Arbeiter*innen lautet: Lasst die Bosse euch in Frieden ausbeuten und betrügen.

Was wirft man den Betroffenen vor? Die Belästigung von Chef*innen, die ihre Arbeiter*innen nicht bezahlen. Seit heute Morgen wird die Forderung unsere Löhne bezahlt zu bekommen offiziell als Erpressung bezeichnet! Seit heute Morgen heißt es offiziell Gewalt, wenn man zu einem Scheißboss geht, um gegen seinen Betrug und seine Schikanen zu protestieren und damit sein Geschäft stört!

Am Tag der Wiedereröffnung vieler Unternehmen nach monatelangem Stillstand lautet die Losung konjunkturelle Erholung, aber die Botschaft ist klar: Der Aufschwung ist nur für die Scheißbosse. Niemand kümmert sich um junge Menschen, prekäre und ausgebeutete Arbeiter*innen, die während dieser Zeit sehr oft keinen Cent bekommen haben. Die Wirtschaft, die auf undokumentierte und schlecht bezahlte Arbeit baut, muss sich schnell erholen, und unter diesen Umständen sind wir ein Problem für alle Bosse, die versuchen, die Kosten der Wirtschaftskrise auf die Arbeiter*innen abzuwälzen.

Der Versuch, uns einen Namen zu geben oder uns zu verfolgen, wird nichts bringen: Alle stecken hinter unseren Masken. Alle prekären Arbeiter*innen, die sich bei ihren Ausbeuter*innen revanchieren wollen; alle Arbeiter*innen, die sich in einer der vielen Geschichten von Erpressung, Betrug und Schikanen, die wir erzählt haben, wiederfinden. Umso mehr jetzt, wo wir uns mitten in einer Wirtschaftskrise befinden, wird es für jeden ausbeuterischen Scheißboss mehr maskierte Menschen geben, die bereit sind, auf die Straße zu gehen. Für jede prekäre Person, die aus ihrem Zuhause vertrieben wird, wird es noch mehr Leute in ganz Italien geben.

Die staatlichen Institutionen sagen #andràtuttobene (alles wird gut) und wir wissen jetzt, was sie meinen: Alles wird gut für die Scheißbosse, die einzigen Menschen, die wirklich geschützt werden. Deshalb wird der Gegenschlag gegen diese Bosse nicht aufhören. Es ist an der Zeit, unsere Masken wieder aufzusetzen.

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